(zu alt für eine Antwort)
Gleiche Töne bleiben liegen
Joachim Pimiskern
2011-01-06 18:50:21 UTC
Guten Abend,

hier heißt's:

"Gleiche Töne bleiben liegen".
http://www.musicians-place.de/harmonielehre/kurs-2/die-hauptkadenz.html

Da will jemand einen C-Dur- und einen F-Dur-Dreiklang spielen.
Und irgendeine mittelalterliche Regel besagt, daß eine Note
liegenbleiben soll. Es ist wohl so, daß von dem "normalen"
F-Dur-Akkord die oberste Note um 12 Halbtöne bzw. eine Oktave
nach unten versetzt wurde. Was ist denn das für ein Objekt?

Ich kenne die 1. und 2. Umkehrung eines Dreiklangs,
die gehen aber stets nach oben.

"Dreiklangsumkehrung nach unten" wurde mir nie gelehrt.
Isses dann überhaupt noch ein F-Dur-Dreiklang?

Grüße,
Joachim
Knut
2011-01-06 19:31:04 UTC
Post by Joachim Pimiskern
"Dreiklangsumkehrung nach unten" wurde mir nie gelehrt.
Ist das selbe wie "nach oben"... (und in Generalbass passiert sowas nicht;)
Post by Joachim Pimiskern
Isses dann überhaupt noch ein F-Dur-Dreiklang?
Beantworte dir einfach mal in einem kurzen Satz eindeutig die Frage:
Was ist ein F-Dur-Dreiklang? (Bzw. Wie ist ein F-Dur-Dreiklang definiert?)
Jörn Hänsch
2011-01-07 07:42:15 UTC
Post by Knut
Post by Joachim Pimiskern
"Dreiklangsumkehrung nach unten" wurde mir nie gelehrt.
Ist das selbe wie "nach oben"... (und in Generalbass passiert sowas nicht;)
Vor allem ist es ein unglaublicher Murks, die Stimmfuehrung des
VIERstimmigen Satzes mit DREIklaengen erklaeren zu wollen...
Knut
2011-01-07 08:47:18 UTC
Post by Jörn Hänsch
Post by Knut
Post by Joachim Pimiskern
"Dreiklangsumkehrung nach unten" wurde mir nie gelehrt.
Ist das selbe wie "nach oben"... (und in Generalbass passiert sowas nicht;)
Vor allem ist es ein unglaublicher Murks, die Stimmfuehrung des
VIERstimmigen Satzes mit DREIklaengen erklaeren zu wollen...
Na ja, (in meinen Augen "richtige") polyphone Musik ist aber auch
nicht zu jeder Zeit streng n-stimmig. Z.B. fangen Fugen mit einer
Stimme an, auch sonst sind die Stimmen nicht immer lückenlos "verzahnt",
da gibt es Pausen, insgesamt viele (!) Stellen in 4-stimmigen Stücken,
wo weniger als n Stimmen geschrieben sind oder klingen.

Weiterhin, da der Einklang wirklich (!) "Intervallumkehrung" der Oktave
ist, nimmt er einen wichtigen Platz in der Standardnotation ein, wo eben
nicht jede Stimme ein System hat, was dazu führt, dass der 4-stimmige
Satz an "reichlich" Stellen eigentlich dreistimmig "gedacht" wird.

Auch aus weiteren Gründen sehe ich da kein "eigentliches Problem"...
David Kastrup
2011-01-07 09:12:03 UTC
Post by Jörn Hänsch
Post by Knut
Post by Joachim Pimiskern
"Dreiklangsumkehrung nach unten" wurde mir nie gelehrt.
Ist das selbe wie "nach oben"... (und in Generalbass passiert sowas nicht;)
Vor allem ist es ein unglaublicher Murks, die Stimmfuehrung des
VIERstimmigen Satzes mit DREIklaengen erklaeren zu wollen...
Sehe ich nicht so, da der klassische vierstimmige Satz Dissonanzen zu
meiden sucht und deswegen sehr häufig Töne harmonisch dysfunktional sind
(also ein reines Oktavduplikat eines anderen Tons, zumindest eine zu
alten Zeiten schwebungsfreie Quinte). Diese Dysfunktionalität muß
unmittelbar wieder aufgehoben werden (Verbot von Oktav- und
Quintparallelen). Wie einen Basketball darf man sie nicht halten,
während sich die Melodie- und Harmonielinien zum Korb bewegen. Das
charakteristische ist hier das ständige Abspiel, das sich auch
raffinierter gestalten kann als die klassisch dreireihige
Angriffsformation mit Tonika, Dominante und Subdominante, die heutzutage
formal noch oft gespielt wird, auch wenn viele Positionen in den
Einzelstimmen unbesetzt bleiben und das Kombinationspiel bestenfalls
schemenhaft zu erahnen ist.
--
David Kastrup
Stephan Zitzmann
2011-01-07 11:15:35 UTC
Post by Joachim Pimiskern
"Dreiklangsumkehrung nach unten" wurde mir nie gelehrt.
Isses dann überhaupt noch ein F-Dur-Dreiklang?
Ja.

Von erster Umkehrung spricht man, wenn Du die Struktur Terz-Quarte
hast, egal wie tief oder hoch sie liegt.

Um diese Begriffe zu erklären, hat man sich auf den Modus geeinigt,
man nehme einen Dreiklang in Grundstellung, oktaviere den Grundton und
man spricht von erster Umkehrung. Entsprechend für die zweite.

Entscheidend ist sobald die Struktur Terz-Quart oder Quart-Terz
auftaucht spricht man von Umkehrung.


Viele Grüße
Stephan
--
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/buch_abfrage.php?menuid=18
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/CD_abfrage.php?menuid=19
http://www.blog.gitarrenunterricht-frankfurt.de/
http://www.radreisen.stephan-zitzmann.de/2007/09/27/velotraum-erfahrungsbericht/
Knut
2011-01-07 11:38:38 UTC
Post by Joachim Pimiskern
"Dreiklangsumkehrung nach unten" wurde mir nie gelehrt.
Isses dann überhaupt noch ein F-Dur-Dreiklang?
Ja. ...
Versuchen wir es mal (für den Programmierer und Mathematiker J.P.),
unter Erinnerung an die harmonische Invarianz der Oktavlage der
meisten tonalen Musik, ganz formal logisch:

Ein Dreiklang sind drei verschiedene Töne, die sich als zwei Terzen
ordnen lassen.

Z.B. ist DER (eine) F-Dur-Dreiklang das "strukturelle Zusammenfallen" der
drei Töne f a c, wobei deren Anordnung im Tonraum völlig irrelevant ist.

Daraus lassen sich also die Darstellungen f a c, f c a, a c f, a f c,
c f a, c a f, gewinnen.

Da der Basston, der tiefste Ton, eine (auch hörphysiologisch) besondere
Rolle spielt, ist er wichtig und wird systematisch in manchen wichtigen
Musiktheorie-Schulen extra als "Akkord-Umkehrung" behandelt:

Alle Anordnungen der 3 Töne f a c bilden den F-Dur-Dreiklang.

Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit f im Bass bilden den F-Dur-Dreiklang
in Grundstellung.

Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit a im Bass bilden den F-Dur-Dreiklang
in erster Umkehrung.

Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit c im Bass bilden den F-Dur-Dreiklang
in zweiter Umkehrung.
Knut
2011-01-07 11:54:37 UTC
Post by David Kastrup
Sehe ich nicht so, da der klassische vierstimmige Satz Dissonanzen zu
meiden sucht...
Bach nicht, denn der baut VORSÄTZLICH erst Spannungen auf, um sie
dann in einer (sehr durchdacht geordneten) langsam AM ENDE aufzulösen.

http://www.youtube.com/watch?v=nCZb3b4GL_E

Was den 4-stimmigen "standardmässigen" Begleitsatz (!) angeht full ack.
Knut
2011-01-07 12:15:51 UTC
Knut schrieb:

Das war als erster Fund etwas vorschnell
Post by Knut
http://www.youtube.com/watch?v=nCZb3b4GL_E
Da gibts technisch weit besserklingende Aufnahmen...

Das hier ist auch etwas höher und flotter ;)
http://www.youtube.com/watch?v=NK6xHh0ZpN0

Hier hört man mehr von den Stimmen (gefällt mir aber rhythmisch nicht)
http://www.youtube.com/watch?v=kT0fNVvtnpk
Knut
2011-01-07 12:22:37 UTC
Knut schrieb:

Und das hier ist RICHTIG gut!

http://www.youtube.com/watch?v=lwFu5yRH-So
Post by Knut
Das war als erster Fund etwas vorschnell
Post by Knut
http://www.youtube.com/watch?v=nCZb3b4GL_E
Da gibts technisch weit besserklingende Aufnahmen...
Das hier ist auch etwas höher und flotter ;)
http://www.youtube.com/watch?v=NK6xHh0ZpN0
Hier hört man mehr von den Stimmen (gefällt mir aber rhythmisch nicht)
http://www.youtube.com/watch?v=kT0fNVvtnpk
Joachim Pimiskern
2011-01-07 12:29:22 UTC
Post by Knut
Da der Basston, der tiefste Ton, eine (auch hörphysiologisch)
besondere Rolle spielt, ist er wichtig und wird systematisch
in manchen wichtigen Musiktheorie-Schulen extra als
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c bilden den F-Dur-Dreiklang.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit f im Bass bilden den
F-Dur-Dreiklang in Grundstellung.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit a im Bass bilden den
F-Dur-Dreiklang in erster Umkehrung.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit c im Bass bilden
den F-Dur-Dreiklang in zweiter Umkehrung.
Wo Du Invarianz der Oktavlage erwähnt hast: wäre es auch
noch ein F-Dur-Dreiklang, wenn man f a'' c''''' spielte,
also die Noten eines einzigen Dreiklangs über weit entfernte
Oktaven verteilt?

Also, auf's Klavier bezogen, daß man Dreiklänge nicht mit
genau 1 Hand spielen muß, sondern daß die linke Hand einen
Teil eines Akkords spielt und die rechte Hand einen anderen.

Grüße,
Joachim
Knut
2011-01-07 12:36:22 UTC
Post by Joachim Pimiskern
Post by Knut
Da der Basston, der tiefste Ton, eine (auch hörphysiologisch)
besondere Rolle spielt, ist er wichtig und wird systematisch
in manchen wichtigen Musiktheorie-Schulen extra als
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c bilden den F-Dur-Dreiklang.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit f im Bass bilden den
F-Dur-Dreiklang in Grundstellung.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit a im Bass bilden den
F-Dur-Dreiklang in erster Umkehrung.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit c im Bass bilden
den F-Dur-Dreiklang in zweiter Umkehrung.
Wo Du Invarianz der Oktavlage erwähnt hast: wäre es auch
noch ein F-Dur-Dreiklang, wenn man f a'' c''''' spielte
Eben! Das ist gemeint.

Und A c f'''''' geht auch, falls die Ohren den Diskantus noch "mitmachen" ;)

Da ist übrigens noch ein BWV 552 von Koopman auf youtube
http://www.youtube.com/watch?v=2K5hqyyMdgY
Knut
2011-01-07 12:55:14 UTC
[ Nachtrag, Supersede ]
Post by Joachim Pimiskern
Post by Knut
Da der Basston, der tiefste Ton, eine (auch hörphysiologisch)
besondere Rolle spielt, ist er wichtig und wird systematisch
in manchen wichtigen Musiktheorie-Schulen extra als
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c bilden den F-Dur-Dreiklang.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit f im Bass bilden den
F-Dur-Dreiklang in Grundstellung.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit a im Bass bilden den
F-Dur-Dreiklang in erster Umkehrung.
Alle Anordnungen der 3 Töne f a c mit c im Bass bilden
den F-Dur-Dreiklang in zweiter Umkehrung.
Wo Du Invarianz der Oktavlage erwähnt hast: wäre es auch
noch ein F-Dur-Dreiklang, wenn man f a'' c''''' spielte
Eben! Das ist gemeint.

Und A c f'''''' geht auch, falls die Ohren den Diskantus noch "mitmachen" ;)
Post by Joachim Pimiskern
Also, auf's Klavier bezogen, daß man Dreiklänge nicht mit
genau 1 Hand spielen muß, sondern daß die linke Hand einen
Teil eines Akkords spielt und die rechte Hand einen anderen.
Wichtig ist auch noch das erwähnte "strukturelle Zusammenfallen" der
Töne - sie müssen nämlich "nur" "musiklogisch" zusammenfallen, und
das heisst unter anderem, dass sie auch nacheinander erklingen können,
also mit einem einzigen Finger im Stehen langsam auf dem Klavier
gespielt werden geht natürlich auch - oder von verschiedenen Instrumenten.

(Es können sogar auch ander Noten dazwischen liegen, wenn das Metrum,
die Zählzeiten, der Rhythmus insgesamt, für das logische Zusammenfallen
der Dreiklangstöne sorgt, aber das kannst du die nächsten Jahre erst mal
bitte wieder vollkommen! vergessen ;)

Weiter: Töne können auch klanglich beliebig verdoppelt werden, so wurde
lange das Cello vom Bass eine Oktave tiefer einfach "generell" verdoppelt
(also z.B. F f a c' a'')

Das betrifft aber nicht immer auch bestimmte tradierte Satzformen, da
gibt es jeweils extra (frei gewählte, aber logisch und hörphysiologisch
vollständig nachvollziehbare!) Regeln.

(Musik zu verstehen dauert ein Weilchen, frag nur!)

Da ist übrigens noch ein BWV 552 von Koopman auf youtube
http://www.youtube.com/watch?v=2K5hqyyMdgY
Jörn Hänsch
2011-01-07 16:58:06 UTC
Post by Knut
Post by Jörn Hänsch
Post by Knut
Ist das selbe wie "nach oben"... (und in Generalbass passiert sowas nicht;)
Vor allem ist es ein unglaublicher Murks, die Stimmfuehrung des
VIERstimmigen Satzes mit DREIklaengen erklaeren zu wollen...
Na ja, (in meinen Augen "richtige") polyphone Musik ist aber auch
nicht zu jeder Zeit streng n-stimmig. Z.B. fangen Fugen mit einer
Stimme an, auch sonst sind die Stimmen nicht immer lückenlos "verzahnt",
da gibt es Pausen, insgesamt viele (!) Stellen in 4-stimmigen Stücken,
wo weniger als n Stimmen geschrieben sind oder klingen.
Bei der Polyphonie darf man aber auch nicht die latente Mehrstimmigkeit
vergessen! Da kommt es nicht selten vor, dass ein real zweistimmiger
Satz 3- oder vierstimmig gedacht ist. Gute Beispiele findet man in den
Bachschen Bicinien oder Solosonaten.
Post by Knut
Weiterhin, da der Einklang wirklich (!) "Intervallumkehrung" der Oktave
ist, nimmt er einen wichtigen Platz in der Standardnotation ein, wo eben
nicht jede Stimme ein System hat, was dazu führt, dass der 4-stimmige
Satz an "reichlich" Stellen eigentlich dreistimmig "gedacht" wird.
Prinzipiell genuegt die Dreistimmigkeit, um Harmonien zu definieren.
Wenn wir jetzt vom 4-stimmigen Kantionalsatz sprechen, ist dieser
tatsaechlich auf 3 Stimmen reduzierbar. Mit erweiterten Harmonisierungen
wird es aber schon schwieriger.

Jørn
Jörn Hänsch
2011-01-07 17:00:42 UTC
Post by David Kastrup
Post by Jörn Hänsch
Vor allem ist es ein unglaublicher Murks, die Stimmfuehrung des
VIERstimmigen Satzes mit DREIklaengen erklaeren zu wollen...
Sehe ich nicht so, da der klassische vierstimmige Satz Dissonanzen zu
meiden sucht und deswegen sehr häufig Töne harmonisch dysfunktional sind
(also ein reines Oktavduplikat eines anderen Tons, zumindest eine zu
alten Zeiten schwebungsfreie Quinte).
Wenn wir vom Kantionalsatz sprechen, stimmt das. Aber was ist mit Bach,
Reger und spaeter?
Kompliziertere harmonsiche Zusammenhange sind mit drei Stimmen nur sehr
schwer dartstellbar, und das faengt eigentlich schon beim Septakkord an.

Jørn
Knut
2011-01-07 17:33:39 UTC
Post by Jörn Hänsch
Bei der Polyphonie darf man aber auch nicht die latente Mehrstimmigkeit
vergessen!
Man darf vielleicht nichts vergessen, vergisst aber (spätestens) eines
Tages dann doch ausnahmslos alles ;)
Post by Jörn Hänsch
Da kommt es nicht selten vor, dass ein real zweistimmiger
Satz 3- oder vierstimmig gedacht ist.
Das mag sein, ist aber nur durch den Komponisten, dh. seine Aussage
dazu, verifizierbar - anderenfalls ist es (d)eine Hypothese, die an
dein persönliches Zentralnervensystem gebunden ist, (d)eine Meinung.
Post by Jörn Hänsch
Gute Beispiele findet man in den Bachschen Bicinien oder Solosonaten.
Bach kannst du auch nicht mehr fragen, und der hat auch dazu nix
ausser seiner Musik hinterlassen.

Ich will damit sagen, dass es sich prima und spannend über derartige
/ konkrete / Details reden und streiten lässt, gern auch mit mir, dass
man aber dabei niemal vergessen darf, auch nicht, das ständig wieder
zum Ausdruck zu bringen, dass es sich dabei um blosse Meinung handelt
und sonst nichts.
Post by Jörn Hänsch
Post by Knut
Weiterhin, da der Einklang wirklich (!) "Intervallumkehrung" der Oktave
ist, nimmt er einen wichtigen Platz in der Standardnotation ein, wo eben
nicht jede Stimme ein System hat, was dazu führt, dass der 4-stimmige
Satz an "reichlich" Stellen eigentlich dreistimmig "gedacht" wird.
Prinzipiell genuegt die Dreistimmigkeit, um Harmonien zu definieren.
So kann man das in keinem Fall sagen, nämlich unter Vortäuschung
irgend einer "Allgemeingültigkeit", siehe z.B.
http://www.youtube.com/watch?v=gTjo5cfCxVQ und sag mal, ob das keine
Harmonien sind, wenn ja wo, und ob DU das für ALLE anderen Leute
dreistimmig rüber bringen kannst. Leider ist Messiaen auch schon tot,
so dass wir ihn danach nicht mehr fragen können, ob er das auch denkt.
Post by Jörn Hänsch
Wenn wir jetzt vom 4-stimmigen Kantionalsatz sprechen, ist dieser
tatsaechlich auf 3 Stimmen reduzierbar.
Das mag sein, ich bin an diesem "vergallgemeinerten, liedartigen" Satz
aber nicht weiter interessiert ;)
Post by Jörn Hänsch
Mit erweiterten Harmonisierungen wird es aber schon schwieriger.
Bach macht auch auf einstimmigen Instrumenten viel Polyphonie, schliesslich
kann das ZNS Töne auch in Abfolge "strukturell" zusammenfassen, ABER:
in/zu welchem "Grad" das dann auch wirklich geschieht, das hängt zu einem
WESENTLICHEN Teil von der konsumierenden Person ab, ein typisches Kind hört
völlig anders als ein typischer pensionierter sinfonischer Orchestermusiker.

Ich gebe dir natürlich darin vollkommen recht, dass die eigene Phantasie
und vor allem die eigene Hörerwartung viele Töne zumindest "funktionell",
und sogar ganze, Stimmen ersetzen kann. Das hängt aber neben der Musik von
sehr vom Konsumenten ab (und davon, wie er gerade drauf ist, ich spinne
mir z.B. öfter mal Stimmen hinzu, wenn ich mir innerlich Musik anhöre).
David Kastrup
2011-01-07 17:37:09 UTC
Post by Knut
Post by Jörn Hänsch
Bei der Polyphonie darf man aber auch nicht die latente Mehrstimmigkeit
vergessen!
Man darf vielleicht nichts vergessen, vergisst aber (spätestens) eines
Tages dann doch ausnahmslos alles ;)
Post by Jörn Hänsch
Da kommt es nicht selten vor, dass ein real zweistimmiger
Satz 3- oder vierstimmig gedacht ist.
Das mag sein, ist aber nur durch den Komponisten, dh. seine Aussage
dazu, verifizierbar - anderenfalls ist es (d)eine Hypothese, die an
dein persönliches Zentralnervensystem gebunden ist, (d)eine Meinung.
Post by Jörn Hänsch
Gute Beispiele findet man in den Bachschen Bicinien oder Solosonaten.
Bach kannst du auch nicht mehr fragen, und der hat auch dazu nix
ausser seiner Musik hinterlassen.
Du kannst davon ausgehen, daß er sich was dabei gedacht hat, wenn jede
zweite oder jede vierte Note einen separaten Hals hat.

Da steht schon erheblich mehr in den Autographen an Information drin als
das, was hinten als Midi rauskäme.
--
David Kastrup
Knut
2011-01-07 17:45:02 UTC
wenn jede zweite oder jede vierte Note einen separaten Hals hat
Dann IST es mehrstimmig notiert, aber in einem System.
Da steht schon erheblich mehr in den Autographen an Information
drin als das, was hinten als Midi rauskäme.
Na klar. Das war aber nicht gemeint, weil Intervalle nun mal
harmonisch ambivalent sind oder sein können, und weil man das
nicht immer und schon gar nicht in jedem Grad, durch "horizontal"
hinzugefügte Noten ersetzten kann, und wenn, dann nicht mit beliebig
vielen Stimmen. Dass Bach auf einstimmigen Instrumenten dreistimmig
schreiben kann, ist bekannt (für sowas wird gern die Chaconne genommen).
Das ist aber nicht immer explizit, und DAS war (wohl auch von Jörn) gemeint.
David Kastrup
2011-01-07 17:51:15 UTC
Post by Knut
wenn jede zweite oder jede vierte Note einen separaten Hals hat
Dann IST es mehrstimmig notiert, aber in einem System.
Nö.

Sowas wie der erste Satz der Partita III für Violine solo ist
durchgehend monophon.
Post by Knut
Da steht schon erheblich mehr in den Autographen an Information
drin als das, was hinten als Midi rauskäme.
Na klar. Das war aber nicht gemeint, weil Intervalle nun mal
harmonisch ambivalent sind oder sein können, und weil man das nicht
immer und schon gar nicht in jedem Grad, durch "horizontal"
hinzugefügte Noten ersetzten kann, und wenn, dann nicht mit beliebig
vielen Stimmen. Dass Bach auf einstimmigen Instrumenten dreistimmig
schreiben kann, ist bekannt (für sowas wird gern die Chaconne
genommen).
Die Chaconne (letzter Satz Partita II) ist nicht auf einem "einstimmigen
Instrument" spielbar. Wer die Geige für ein solches hält, hat das Thema
verfehlt.
--
David Kastrup
Erhard Schwenk
2011-01-07 17:57:05 UTC
Post by Jörn Hänsch
Post by Knut
Post by Jörn Hänsch
Post by Knut
Ist das selbe wie "nach oben"... (und in Generalbass passiert sowas nicht;)
Vor allem ist es ein unglaublicher Murks, die Stimmfuehrung des
VIERstimmigen Satzes mit DREIklaengen erklaeren zu wollen...
Na ja, (in meinen Augen "richtige") polyphone Musik ist aber auch
nicht zu jeder Zeit streng n-stimmig. Z.B. fangen Fugen mit einer
Stimme an, auch sonst sind die Stimmen nicht immer lückenlos "verzahnt",
da gibt es Pausen, insgesamt viele (!) Stellen in 4-stimmigen Stücken,
wo weniger als n Stimmen geschrieben sind oder klingen.
Bei der Polyphonie darf man aber auch nicht die latente Mehrstimmigkeit
vergessen! Da kommt es nicht selten vor, dass ein real zweistimmiger
Satz 3- oder vierstimmig gedacht ist. Gute Beispiele findet man in den
Bachschen Bicinien oder Solosonaten.
Post by Knut
Weiterhin, da der Einklang wirklich (!) "Intervallumkehrung" der Oktave
ist, nimmt er einen wichtigen Platz in der Standardnotation ein, wo eben
nicht jede Stimme ein System hat, was dazu führt, dass der 4-stimmige
Satz an "reichlich" Stellen eigentlich dreistimmig "gedacht" wird.
Prinzipiell genuegt die Dreistimmigkeit, um Harmonien zu definieren.
Wenn wir jetzt vom 4-stimmigen Kantionalsatz sprechen, ist dieser
tatsaechlich auf 3 Stimmen reduzierbar. Mit erweiterten Harmonisierungen
wird es aber schon schwieriger.
Das geht schon. Es gibt Jazz-Arrangements für alle möglichen
Besetzungen, wo ganz bewußt zur technischen Vereinfachung oder zwecks
Transparenzgewinn aus eigentlich 5- und mehrstimmigen Akkordsequenzen
jede Menge Einzeltöne eliminiert werden, ohne daß sich der Charakter für
den Zuhörer verändert. Oft werden da "unnötige" weil nicht
charakterbildende Terzen, Oktavierungen und dergleichen rausgekürzt.

Sowas ist allerdings nicht unbedingt das didaktisch optimale Material,
um Tonsatz zu lehren, weil man sich die fehlenden Töne u.U. erstmal
wieder dazudenken muß, um die eigentlich gespielte Akkordfolge zu
erkennen - soweit das dann eindeutig möglich ist (ist ein bißchen wie
das Gulasch->Kuh Problem)
--
Erhard Schwenk

Akkordeonjugend Baden-Württemberg - http://www.akkordeonjugend.de/
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